Die Barbarathermen in Trier waren zur Zeit ihrer Erbauung das zweitgrößte Badegebäude im ganzen Imperium Romanum. Größere Thermen wurden später nur in Rom errichtet. Im 2. Jahrhundert nach Christus erbaut und mit allem Prunk römischer Badetempel ausgestattet, blieb die Anlage fast 300 Jahre in Betrieb. Einmalig in der Welt der Thermenarchitektur waren die beiden beheizten Schwimmbecken.
Die Barbarathermen gehören mit der Römerbrücke und dem Amphitheater zu einer älteren Ausbauphase des römischen Trier. In ihrer Entstehungszeit, in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, erlebte die Stadt mit dem Ausbau der römischen Verwaltung einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und einen spürbaren Bevölkerungszuwachs. Die steigenden Ansprüche der neuen Bürger erforderten die Einrichtung eines modernen „Freizeitzentrums“ für Körperpflege, Sport und Erholung.
Als Grundfläche beanspruchte der Neubau mit 42.500 Quadratmetern den Platz von vier Wohnquartieren, die wohl teilweise schon bebaut waren. Nach der Fertigstellung hatte die Thermenanlage einschließlich der Umfassungsgebäude eine Ausdehnung von 172 mal 240 Metern. Zeitweise stellten die parallel zur Mosel verlaufenden Thermen die prächtigste Bäderanlage des Römischen Reiches dar: Das belegen Funde der kostbaren Wand- und Bodenausstattung mit Marmor, Reliefs an den Fassaden und in den Säulengängen sowie Skulpturen. Dafür spricht auch der enorme technische Aufwand für die Wasserzufuhr und –ableitung, für die Kloaken und insbesondere für die Fußboden- und Wandheizung.
Der eigentliche Badetrakt enthielt auf seiner Nord-Süd-Achse die typische Raumabfolge römischer Badeanlagen: ein aus wärmetechnischen Gründen genau nach Süden ausgerichtetes Caldarium (Warmbadesaal), ein nördlich folgendes Tepidarium (lauwarmes Bad) und ein Frigidarium (Kaltbad). Allein dieser Saal war mit 80 mal 22 Metern größer als die Trierer Paulinskirche. Rechts und links schlossen sich die obligatorischen Schwitz-, Massage- und Aufenthaltsräume an.
Der keltischen Vorliebe für das warme Baden zollte eine Besonderheit Tribut: Die Anlage enthielt in den Eckräumen der Südflucht die einzigen bekannten beheizten Schwimmbecken im ganzen Imperium Romanum. Nördlich der Aufenthaltsräume befanden sich wahrscheinlich lange, überdachte Sporthallen, die Höfe dienten als Sportplätze für Ballspiele und gymnastischen Übungen (Palästra). Direkt nördlich des Frigidariums lag vermutlich ein großes Freiluftschwimmbecken, das durch eine Mauer von der umgebenden Palästra getrennt war.
Die Thermenbesuche dienten neben der Reinigung und Erfrischung auch der Unterhaltung. In vielen kleinen Läden im Thermenbereich konnte man daher Produkte zur Körperpflege und Unterhaltung kaufen. Dazu gab es Süßigkeiten, Speisen und Getränke.
Nach den schweren Germanenstürmen des 5. Jahrhunderts setzte der Verfall ein. In dieser Zeit verloren die Stadt und die darin verbliebenen Bewohner alle wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und technischen Voraussetzungen und Kenntnisse zum Betreiben einer solchen Thermenanlage.
Erst im Mittelalter erhielten die Barbarathermen ihren heutigen Namen – nach einem heute verschwundenen Trierer Vorort im Süden, dessen Patronin die heilige Barbara war.
Noch 1611 standen einige Teile der riesigen Badeanlage aufrecht. Diese Gebäudereste waren nach einer Beschreibung des Jesuiten Alexander Wiltheim (1604-1684) reich gegliedert und mit Bildhauerarbeiten geschmückt. Wiltheim bildete in seinem Werk über das römische Trier eine Zeichnung der Ruine aus dem 16. Jahrhundert ab, die er im Jesuitenarchiv vorfand.
Seit dem Frühmittelalter wurden die Barbarathermen als Steinbruch genutzt. Teile der Anlage wurden im Hochmittelalter jedoch zu einem Wohnturm, dem so genannten Richardsturm, und zur Burg ausgebaut, die den „Herren von der Brücke“ („De Ponte“) als Wohnsitz dienten. Schon im 16. Jahrhundert waren die Anlagen nicht mehr bewohnt.
Nach dem Jahr 1600 nutzten Mönche die immer noch vorhandenen Mauern für den Bau des Jesuitenkollegs. Damit gingen die hochaufragenden Ruinen endgültig verloren. Was nach diesem Abbau noch übrig war, wurde 1673 von einem französischen General namens Vignory gesprengt.
Der heutige Besucher der Barbarathermen hat große Schwierigkeiten, sich die Pracht der marmorverkleideten Säle, die elegante Ausstattung mit Skulpturen der berühmtesten Werke griechischer Bildhauer vergangener Jahrhunderte und das rege Treiben der Badegäste vorzustellen. Der Bau ist größtenteils bis auf Fußbodenhöhe abgebrochen.
Im Kellergeschoss gibt es dennoch die Möglichkeit, eine rekonstruierte Fußbodenheizung und Gänge, von denen aus die Feuerstellen unterhalten wurden, zu besichtigen. Durch Bedienungsgänge, Präfurnien (Heizöfen), das Kesselhaus oder einen Aufenthaltsraum der Heizer kann sich der Besucher die Böden und Wände der Schwimmbecken erschließen und auf diese Weise viel über die technische Einrichtung des Gebäudes erfahren.
120 Jahre nach ihrer systematischen Freilegung befindet sich die Thermenanlage heute jedoch in einem Zustand des Verfalls und der vollständigen Überwucherung. Um das Gelände wieder für Besucher attraktiv zu machen, wird daher zur Zeit an einer umfangreichen Bestandsaufnahme und einer neuen Besucherplattform gearbeitet. Aufgrund der dringend notwendigen Baumaßnahmen sind die Barbarathermen bis auf weiteres geschlossen.